A person's arm covered in mosquitoes holds a smartphone displaying a mosquito repellent app with a "no mosquito" symbol and an "OFF" switch.
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Sergej Sperling, M.Sc. (Biologist, Contract R&D: Laboratory Director)
27. Feb. 2026

Mücken-Apps – funktionieren sie wirklich als Schutz?

Mückenstiche sind nicht nur lästig, sondern können je nach Region auch gesundheitliche Risiken bergen. Kein Wunder also, dass viele Menschen bereit sind, Mücken-Apps auszuprobieren, um die Plagegeister fernzuhalten. Diese versprechen, Stechmücken per Ultraschall vom Smartphone fernzuhalten – kostenlos oder für ein paar Euro. Aber funktioniert das wirklich? Wir schauen uns an, was hinter diesen Anti-Mücken-Apps steckt und was die Wissenschaft aktuell dazu sagt.

Was genau sind Anti-Mücken-Apps?

Bei den (Anti-)Mücken-Apps handelt es sich um Smartphone-Anwendungen, die behaupten, Stechmücken mithilfe von hochfrequenten Tönen oder Ultraschall abzuschrecken. Meist geben sie diese Signale direkt über die Lautsprecher des Handys aus – bei manchen kostenpflichtigen Premium-Versionen auch mit verschiedenen Frequenzmodi.

Das Grundversprechen ist bei allen ähnlich: Durch spezielle Geräusche sollen diese Apps die Mücken vertreiben, ohne die sonst übliche Chemie oder Gerüche. Der Nutzer muss lediglich die App starten und sein Smartphone in der Nähe platzieren.

Wie die Apps konkret gegen Stechmücken wirken sollen

Da es stets die Weibchen sind, die stechen, verfolgen alle Mücken-Apps das Ziel, eben diese zu vertreiben. Hierzu gibt es zwei grobe Ansätze:

  • Nachahmung männlicher Mückengeräusche:
    Einige Apps versuchen laut Beschreibung, die Flügelschlagfrequenz männlicher Mücken zu imitieren, um Weibchen abzuschrecken. In der Theorie haben diese nach der Paarung kein weiteres Interesse an den Männchen.
  • Simulation von Fledermausfrequenzen:
    Fledermäuse sind natürliche Fressfeinde vieler Insekten – so auch der gemeinen Hausmücke oder auch der asiatischen Tigermücke. Manche Apps geben deshalb Töne im höheren Frequenzbereich aus, die angeblich das Echoortungssignal von Fledermäusen nachbilden sollen.

Die Ansätze dieser Apps klingen zunächst einfach und vielversprechend, doch es gibt Probleme in der praktischen Umsetzung.

Was sagt die Wissenschaft zu diesen Mücken-Apps?

So viele positive Bewertungen man zu den meisten Mücken-Apps auch findet: Aktuell gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass diese Mücken zuverlässig und dauerhaft fernhalten. Im Gegenteil – eine Laborstudie kam sogar zu dem Ergebnis, dass bestimmte Schallfrequenzen das Stechverhalten einer Mückenart verstärken können.

Allerdings ist die Forschung in diesem Bereich bisher begrenzt, und die betreffende Untersuchung wurde mit einer vergleichsweise kleinen Zahl an Versuchstieren durchgeführt.

Die Ausgangslage – was die Studie getestet hat

Forscher der Entomologischen Gesellschaft Brasiliens (SEB) wollten mit ihrer Studie [1] herausfinden, ob elektronische Mückenvertreiber und app-ähnliche Schallfrequenzen tatsächlich abschreckend wirken oder ob sie das Angriffsverhalten sogar fördern.

Dazu wurde ein kontrollierter Laborversuch durchgeführt:

  • In einer Testkammer (bestehend aus Röhre und Box) befanden sich pro Durchgang jeweils zehn weibliche Gelbfiebermücken (Aedes aegypti).
  • Diese wurden zuvor hungrig gehalten, um eine konstante „Angriffslust“ sicherzustellen.
  • Als Lockreiz diente eine menschliche Hand. Die Schallquelle wurde direkt daneben platziert.

Jeder Test dauerte zwölf Minuten und war in vier Phasen gegliedert: Gerät aus, Gerät an, Gerät aus, Gerät an. Diese Abfolge erlaubte einen direkten Vergleich. Getestet wurden:

  • drei handelsübliche Ultraschallgeräte
  • eine Anti-Mücken-Software
  • fünf verschiedene Frequenzen im Bereich von etwa 6 bis 20 Kilohertz
  • Lautstärken zwischen rund 34 und 52 Dezibel

Jeder Durchgang wurde mehrfach wiederholt und statistisch ausgewertet.

[1] Andrade, C. F., & Cabrini, I. (2010). Electronic mosquito repellers induce increased biting rates in Aedes aegypti mosquitoes (Diptera: Culicidae)Journal of Vector Ecology35(1), 75–78. 

Was die Ergebnisse andeuten

Beim Einschalten der Geräte stieg die Zahl der Stichversuche schnell an – je nach Frequenz um etwa 20 % bis fast 50 %. Besonders auffällig waren mittlere Frequenzen zwischen ungefähr 9,6 und 18,2 Kilohertz. Ebenso auffällig war die schnell sinkende Stichrate, sobald der Ton ausgeschaltet wurde – teilweise um bis zu 25 %.

Bei einem der getesteten Geräte führte ein erneutes Einschalten später nochmals zu über 30 % mehr Angriffsversuchen. Bei anderen Frequenzen war dieser zweite Effekt schwächer ausgeprägt, möglicherweise aufgrund einer Gewöhnung der Mücken an den Dauerton.

Die Forscher interpretierten die Ergebnisse folgendermaßen:

  • Schallquellen in unmittelbarer Nähe der Haut scheinen eher zu stimulieren als abzuschrecken.
  • Die Töne können das Angriffsverhalten auslösen oder verstärken.
  • Die getesteten Frequenzen zeigten keine verlässliche Schutzwirkung.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass elektronische Mückenvertreiber und vergleichbare Mücken-Apps keine nachgewiesene Schutzwirkung besitzen und unter bestimmten Versuchsbedingungen sogar kontraproduktive Effekte zeigen können.

Warum funktionieren Apps gegen Mücken nicht?

Neben den Studienergebnissen gibt es weitere Gründe, weshalb Anti-Mücken-Apps in der Praxis nicht zuverlässig funktionieren. Diese liegen sowohl in technischen Grenzen als auch in der Biologie und im Verhalten der Mücken.

Die technischen Gründe

Aus technischer Sicht besteht bereits ein grundlegendes Problem darin, dass die beworbenen Ultraschallfrequenzen von Smartphones nur eingeschränkt oder gar nicht wiedergegeben werden können. Zudem ist ein abschreckender Effekt solcher Frequenzen auf Stechmücken wissenschaftlich nicht belegt.

  • Handylautsprecher sind keine Ultraschallgeräte
    Die meisten Smartphone-Lautsprecher sind nicht dafür ausgelegt, Ultraschallfrequenzen mit definierter Intensität und Qualität zu erzeugen.
  • Sehr geringe Reichweite
    Hohe Schallfrequenzen werden in der Luft stärker gedämpft als niedrigere Frequenzen. Dadurch nimmt ihre Intensität mit zunehmender Entfernung vergleichsweise schnell ab.
  • Zu niedrige Lautstärke
    Smartphone-Lautsprecher besitzen nur eine begrenzte Ausgangsleistung. Selbst wenn hohe Frequenzen erzeugt werden können, ist damit noch keine biologisch relevante Wirkung auf Stechmücken verbunden.

Mücken orientieren sich nicht primär über Ultraschall

Noch entscheidender als die technische Begrenzung ist jedoch die Biologie der Tiere. Stechmücken suchen ihre Wirte nicht primär anhand hochfrequenter Geräusche, sondern vor allem über verschiedene chemische und physikalische Reize. Dazu gehören insbesondere:

  • Kohlendioxid (CO₂) aus der Atemluft
  • Körperwärme
  • Feuchtigkeit
  • individuelle Geruchsstoffe der Haut
  • visuelle Reize

Diese Signale sind für Mücken deutlich relevanter als akustische Reize.

Zudem liegen die für die Kommunikation zwischen Stechmücken relevanten Flügelschlagfrequenzen typischerweise deutlich unter den Ultraschallfrequenzen, mit denen viele sogenannte Ultraschall-Repeller werben. Ob eine Mücken-App hochfrequente Geräusche ausspielt oder nicht, spielt für die Orientierung der Tiere demnach keine nennenswerte Rolle.

Dies wird auch durch eine 2024 veröffentlichte Studie italienischer Forscher gestützt [2]. In dieser Untersuchung zeigten vier getestete elektronische Mückenvertreiber keine nachweisbare abschreckende Wirkung auf asiatische Tigermücken (Aedes albopictus) und Hausmücken (Culex pipiens).

[2] Toma, L.; Lo Catro, F.; Severini, F. et al. (2024): Evaluation of four common electronic mosquito repellers on Aedes albopictus and Culex pipiens. Ann Ist Super Sanità, Vol. 60, No. 4: S. 258-263. DOI: 10.4415/ANN_24_04_04

Alternativen zu Mücken-Apps: Was hilft wirklich?

Da Mücken ihre Wirte insbesondere über Geruchsstoffe, Kohlendioxid, Wärme und Feuchtigkeit finden, sind etablierte Schutzmaßnahmen deutlich sinnvoller als akustische Smartphone-Apps.

Zu den bewährten Methoden zählen:

  • Haut-Repellents:
    Hautverträgliche Insektenschutzmittel mit geprüften Wirkstoffen bieten einen zuverlässigen temporären Schutz.
  • Moskitonetze:
    Besonders nachts oder auf Reisen stellen Moskitonetze eine einfache und sehr wirkungsvolle physische Barriere zwischen Mensch und Mücke dar.
  • Brutstätten vermeiden:
    Stehendes Wasser in Gießkannen, Blumentopfuntersetzern, Eimern oder Regentonnen ist ein ausgezeichneter Brutplatz. Solche Wasseransammlungen sollten regelmäßig entfernt, abgedeckt oder trocken gelagert werden.

Auch spezielle Lösungen wie Mückenfallen bieten einen zuverlässigeren Schutz als Apps, da sie Mücken gezielt anlocken und einfangen können.

Falls Sie sich selbst überzeugen möchten, sehen Sie sich gern unser Video aus dem Biogents-Auftragsforschungslabor an. Hier ist zu sehen, was passiert, wenn man ein Handy mit eingeschalteter Anti-Mücken-App in einen Käfig mit Mücken hält:

FAQ zu Anti-Mücken-Apps

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Sergej Sperling studierte Biologie an der Universität Regensburg; im Rahmen seiner Masterarbeit in chemischer Ökologie entwickelte er eine neuartige Trennmethode für Extrakte. Ab 2014 war er im Rahmen des EU-geförderten MCD-Projekts (Mosquito Contamination Device) für die Planung, Durchführung und Auswertung von Feldversuchen zur Malariabekämpfung in Tansania verantwortlich – eine Arbeit, die unter anderem in der Publikation „Eave tubes for malaria control in Africa: Videographic observations of mosquito behaviour in Tanzania" dokumentiert ist. Seit 2017 leitet er die Abteilung für Auftragsforschung und -entwicklung der Biogents AG (Direktor seit 2019), verantwortet Labor- und Feldstudien zur Wirksamkeit von Repellentien und ist Ansprechpartner für die Prüfung von Biozidprodukten der Produktarten 18 (Insektizide) und 19 (Repellentien). Sergej Sperling spricht Englisch, Deutsch und Russisch. Wissenschaftliche Publikationen 1. Sperling, S., Cordel, M., Gordon, S.W., Knols, B.G.J., Rose, A. (2017). Eave tubes for malaria control in Africa: Videographic observations of mosquito behaviour in Tanzania with a simple and rugged video surveillance system. Malaria World Journal, 8:9. 2. Knols, B.G.J., Farenhorst, M., Andriessen, R. et al., Sperling, S., Cordel, M. et al., Thomas, M.B. (2016). Eave tubes for malaria control in Africa: An introduction. Malaria Journal, 15:404. 3. Sperling, S., Kühbandner, S., Engel, K.C. et al., Ruther, J. (2015). Size Exclusion High Performance Liquid Chromatography: Re-Discovery of a Rapid and Versatile Method for Clean-Up and Fractionation in Chemical Ecology. Journal of Chemical Ecology.